​​Danzig ​- Neues aus Polen

Der Name Danzig hallt immer noch nach. Er ist wie eine kollektive Erinnerung, ein Versprechen von Reichtum und Glanz an der Ostsee. Ein Hauch einer verlorenen Stadt, ein Hauch von Atlantis. Eins ist Danzig, aber allemal – sehr umtriebig und vor allem lebendig!

Die alte Hansestadt war stets ein liberaler Freigeist an der Münde der Weichsel. In einer über tausendjährigen turbulenten Geschichte zog sie immer mehr Reichtum an. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten an Nord- und Ostsee prahlt das heutige Gdansk (Danzig) mit einer großen Alt- und Neustadt, welche in einem enormen Kraftakt nach dem Krieg wiederaufgebaut wurde. Kleine Kaufmannshäuser, riesige Backsteinkirchen und eine junge liberale Gesellschaft sind auch heute noch die Pfeiler der Stadt.

​Photo by Marcel Gerson

Abseits der großen Stadt gibt es noch viel zu entdecken. Nachdem die deutschen Heimkehrtouristen lange Zeit die Region dominierten, entdeckt eine immer breiter werdende internationales Klientel, noch relativ unbekannte prunkvolle Hansestädte, alte Ritterburgen und eine unendlich scheinende unberührte Küste. 

Polen kann ​mehr. Ich stelle Orte vor, die mich nachhaltig beeindruckt haben. Die Region bietet, aber noch viel als ich hier je darstellen könnte. Dies ist eine kleine Anährung und auch wieder ein neuer eigens gesetzter Impuls diese Region noch einmal zu erkundigen.

*Ich benutze deutsche und polnische Städtenamen im Text.​ ​Teilweise beide, aber sonst nach persönlicher Präferenz, wobei sich die meisten so oder so ähneln.


​Danzig & Umgebung - Die Top 5 Erlebnisse ​​

​1. ​Die schönsten Städte Polens - Thorn (Torun) und Graudenz (Grudziądz)?

​Photo by ​Pixabay

Was gibt es noch außer Danzig zu sehen? – Eine Menge. Für den Start zwei meiner persönlichen Highlights. Torun (Thorn) ist sicherlich noch die bekanntere der beiden Städte. Wer mit dem Zug anreist wird allerdings erst einmal überrascht sein. Man blickt auf ein paar kleine Häuser und viel Wald, denn man befindet sich auf der anderen Weichselseite und muss erst noch mit dem Bus oder zu Fuß zur eigentlichen Stadt kommen.
ABER: Der Weg lohnt. Man überquert die Weichsel und bekommt ein wunderschönes Panorama der Altstadt auf der einen Seite und riesigen Wäldern auf der anderen, eingebettet in das Flussbecken der Weichsel. Wenn man später in der alten Stadt des Deutschen Ordens und Geburtsstätte Kopernikus umher streift, kann man sich nur wundern, wie eine solch prächtige Stadt mit ihren alten Stadttoren, unzähligen Backsteinhäusern und der monomentalen Johanniskirche nicht schon auf sämtlichen Bucketlist zu finden ist.
Von der nächsten Stadt haben allerdings wirklich die allerwenigsten gehört – Graudenz. Auf einem Hügel gelegen schmücken nicht nur Schlösser und Barockkirchen die Stadt, besonders imposant sind 26 monumentalen Speicherkontore an der Flussseite der Stadt. Auch diese Stadt liegt an der Lebensader der Weichsel, zwischen Torun und ​Danzig. In diesen riesigen Speichern wurden Waren zwischengelagert.

2. ​​Die schönsten Strände in Polen - Ostsee

Photo by ​Marcel Gerson

Polens Ostsee Küste mit seinen endlosen Sandstränden, Kiefernwäldern und Buchten wird den ein oder anderen vielleicht noch überraschen. Hier ein paar Tipps der schönsten Orte und Natur-Highlights an der polnischen Küste.

  • Słowiński Nationalpark – Kilometerweite Sanddünen erstrecken sich genau vor der polnischen Ostsee, zwischen Buchten, kleinen Städten und dichten Wäldern. Der beste Ausgangspunkt für Wanderungen in den, durch das UNESCO-Weltkulturerbe geschützte, Dünenlandschaften ist sicher Leba.
  • Hela – Die schmale Landzunge, welche an den engsten Stellen nur wenige Hundert Meter breit ist, schlängelt sich über 30 Kilometer in die Danziger Bucht. Sie ist einer der beliebtesten Badeorte ganz Polens und auch per Fähre von Danzig (Gdansk) oder Gdynia erreichbar. Neben den kleinen Kurorten ist die Insel von Kiefernwäldern bedeckt.
  • Frische Nehrung und Frauenburg – Ein weiterer schöner weitläufiger Strand liegt an der Frischen Nehrung zur Grenze von Kaliningrad/Russland. Wenigstens einen Teil dieser Landschaft kann man auch in Polen erkunden. Auf der anderen Seite der Nehrung liegt die Domstadt Frombork (Frauenburg) in der Kopernikus lange Zeit lebte. Der berühmte Dom zählt auch zu den schönsten und prächtigsten Polens.

​3. ​Danzig - ​Hanseatisch gut

Photo by Marcel Gerson

Wie bereits eingangs erwähnt ist das Zentrum des nördlichen Polens. Was viele jedoch nicht wissen ist das Gdanks (Danzig) heute mit den Städten Gdynia und Sopot eine Dreierstadt – die ​Trójmiasto bildet. Dieser gemeinsame Ballungsraum ist die Lebenswelt von ​fast 750.000 ​Menschen. Sie vereint sehr verschiedene Aspekte des modernen Polens mit der quirlligen Industriestadt Gdynia, dem schicken Seebad Sopot und dem jungen, aber zugleich historischen Danzig.

Wenn man in Danzig ist, wird man eh unweigerlich in die sogenannten Rechtsstadt mit der größten Backsteinkirche Welt – der Marienkirche, dem langen Markt, dem alten Rathaus und natürlich der Promenade an der Motlawa (die Weichselmündung liegt etwas östlich der eigenen Stadt) mit dem ikonischen Backsteinkran besuchen. Allerdings erfindet das neue Danzig sich ständig neu. Allein in den letzten Jahren hat sich die gesamte Promenade auf der Speicherstadt (andere Motlawa Seite) mit vielen Restaurants und Geschäften etabliert. Außerdem sind auch die Ołowianka mit ihrem Vergnügungspark und die ehemalige Altstadt gegenüber des Bahnhofs sowie auf beiden Seiten der großen und kleinen Mühle (Wielki und Maly Młyn) ein besonderes Highlight.

Wer noch nicht genug hat, besucht die lange Seebrücke von Sopot oder die Westerplatte, wo der zweite Weltkrieg seinen Anfang nahm. In einer Open-Air Ausstellung kriegt man einen guten Eindruck über diese wichtige Stätte unserer Zeitgeschichte.

4.  ​​Marienburg - der burgentraum

​Photo ​by Marcel Gerson

Vielleicht hat so mancher das Motiv der riesigen Backsteinfestung schon auf dem ein oder anderen Guidebuch gesehen. Kaum eine andere Festungsanlage Europas bietet ein ähnliches Ensemble und beeindruckende Panoramen. Früher war sie die Hauptstadt des Deutschen Ordens, einem christlichen Ritterorden, der riesige Gebiete von Danzig bis ins Baltikum kontrollierte​. Heute ist die Anlage ​ein riesiges Museum. Der Audioguide ist einer der besten, die ich in Europa kenne, der einen atmosphärischen und spannenden Einblick ins Mittelalter gibt.

Man fühlt sich unmittelbar in die Lebenswelt des Mittelalters hineinversetzt. Das Fußbodenheizungen auch schon im Mittelalter en vogue waren oder ganze Turmanlagen nur für die Notdurft der Ordensbrüder außerhalb der Mauern gebaut wurden, werden sicher den ein oder anderen überraschen.

5. ​Masuren - Polnische Natur

Photo by Colin Watts on Unsplash

Seit einigen Jahren erfreut sich diese Seenlandschaften im Norden Polens bereits großer Beliebtheit. Alleine schon Polen, aber auch viele Deutsche betrachten die Masuren als eine Art Sehnsuchtsort. Ein schwer zu definierendes Gefühl von Melancholie und Freiheit. Ein Bild von Landschlössern und alten Gestüten. Auch in den vergangenen Jahrhunderten waren die Masuren stets ein kleiner Sonderfall. Egal welche Herrscherfamilie gerade die Lande beherrschte, die Masuren waren immer etwas im Abseits. Diese Abgeschiedenheit in den dichten Wäldern und unzähligen Seen machen auch den Reiz dieser Region aus.

Neben schönen Städten wie Olsztyn (Allenstein), Mikołajki (Nikolaiken) oder Giżycko (Lötzen), sind es besonders die kleinen Städte und Fischerdörfer, die einen speziellen Charme ausstrahlen. Am besten erkundet sich die Gegend mit dem Rad oder Kanu. 

Hervorheben möchte ich die gemütliche Stadt zwischen Seen Ryn (Rhein), wo Schloss und Burg des deutschen Ordens nun zu komfortablen Herbergen wurden, das alte Landschloss von Nakomiady (Eichmedien), die Burganlagen von Reszel (Rößel) oder die Barrockkirche von Heiligenlinde. In der kleinen Stadt Popielno wiederum, kann man ein Gestüt besichtigen. Wer nach mehr Natur sucht, findet diese im wilden Borecka Wald, wo auch ein Wisentgehege steht oder dem Łuknajno-See mit seiner riesigen Höckerschwan Kolonie.

Am bekanntesten und lohnenswertesten ist sicherlich jedoch der Krutynia Fluss, welcher zu den schönsten Polens gezählt wird. Das perfekte Kanurevier, wobei auch Wanderungen und Radtouren möglich sind. Ein ziemliches Muss jedes Masuren Besuchs oder wie der masurische Dichter Karol Małłek einst meinte: „Wer die Krutynia nicht gesehen hat, der hat Masuren nicht gesehen“.


​Unterkünfte ​Danzig & Umgebung

Budget Variante
Mittelklasse
​Gehobenes Hotel

​Essen und Trinken - ​Danzig &Umgebung

​Photo by ​Marcel Gerson

Restauracja Obiady, Malbork/Marienburg

​Im ehemaligen Ratskeller der Burg liegt dieses sehr atmosphärisches Restaurant. Es gibt traditionell polnische Küche. 


​​Bar LOFT

​Eine etwas versteckte, aber sehr gemütliche moderne Bar im Herzen der Stadt. Empfehlenswert nach einem nächtlichen Sparziergang.


Pierogarnia Mandu Centrum, Gdansk/Danzig

​Es gibt zwar auch viele moderne vegetarische oder vegane Restaurants in Danzig, aber ich nutze dieses Beispiel, um auf einen speziellen Umstand aufmerksam zu machen. In Polen ist es tatsächlich möglich auch viele traditionelle Speisen vegetarisch zu erhalten, wie die Teigtaschen Pieroggi, wobei dies eher ein Zufall ist als ein besonderer Service für Vegetarier ist. Aber auch die berühmte Rote Beetesuppe oder der Sauerkrauteintopf (auch in einem Brotleib) Bigos, welche beide zu den Nationalgerichten des Landes gezählt werden, sind tatsächlich ebenfalls rein vegetarisch.


​ Anreise I Abreise ​Danzig

​Wie bereits mehrfach gesagt ist Danzig der perfekte Ausgangspunkt um den Norden Polens zu entdecken. Natürlich ist es möglich hier einfach hinzufliegen, aber insbesondere von Berlin lohnt sich die (teilweise) direkte Verbindung ​mit etwa sechs Stunden. Auch mit dem Bus kann man (speziell von Berlin) aus gut anreisen. 


Transport vor Ort

​​Das Zugnetz deckt einen großen Teil des nördlichen Polens ab. ​Von Danzig sind Torun, Frombork, Allenstein oder auch die inneren Masuren problemlos erreichen. Die Orte an der Ostsee sind wiederum mit dem Bus sehr gut angebunden. Bei einem längeren Aufenthalt in den Masuren kann sich ein Mietwagen von Danzig aus bewähren. 


​Marcel Gerson

Marcel Gerson - Fortstwissenschaftler und Reiseliebhaber, kann sich für viel in der Welt begeistern. Kerninteressen der letzten Jahre lagen immer wieder in Asien, aber auch in der eigenen Heimat - Europa.


​Der gebürtige Bremer hat sich beruflich auf Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung spezialisiert. Er nutzt dabei jede Gelegenheit andere von der vielfältigen Natur ihrer eigenen Welt zu begeistern. Frei nach dem Motto "Du schützt nur das, was du kennst"

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