Cape Town - my love! (​Teil 1)

Kaum ein Ort ist bunter und kontrastreicher als Kapstadt, liebevoll auch Mother City genannt. Ich habe mein Herz schon lange an diese intensive Stadt verloren und möchte Euch in einer mehrteiligen Serie die Stadt und ihre Umgebung in kleinen Häppchen gerne vorstellen.

Panorama Kapstadt-Tafelberg

Der spannendste Moment am Reisen bleibt für mich immer der Moment, an dem ich in einem fremden Land das Flugzeug verlasse, ein wenig als würde man durch ein Portal in eine andere Welt treten, um das Leben aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Sofort scannen meine Sinne die ganz besonderen Eigenschaften des Himmels über mir, die Luft und die Temperatur.  Den ganzen Flug über habe ich mich auf diesen Moment gefreut, in dem sich mir ein kleiner Kosmos an Fremde und Abenteuer eröffnet.

Bei tollem Wetter, und daran mangelt es Kapstadt selten, ist dann dieser Moment jedes mal wieder unvergleichlich, denn nirgends ist der Himmel für mich weiter und schöner als hier!

Zum Glück fliegt Lufthansa seit ein paar Jahren wieder direkt Kapstadt von Frankfurt aus an, neben München der einzige Flughafen Deutschlands mit Direktflügen in die parlamentarische Hauptstadt Südafrikas. Der Direktflug mit 12 Stunden Dauer ist ein kleiner Sitzmarathon und Flüge mit Stop-Over können leicht mal  15 - 24 Stunden dauern - sind also nichts für Ungeduldige oder Menschen ohne Sitzfleisch.

Für mich bringt alleine schon die Strecke vom Flughafen in die Stadt das essentielle Kapstadts schnell auf den Punkt: Zur linken Hand die Townships Gugulethu und Nyanga, während sich frontal langsam die Stadt mit seinem  spektakulären Anblick des Tafelberges mit seinem imposanten Lions Head erschließt. An Farben mangelt es beidem nicht, wenn auch der Teil der Stadt zu meiner Linken an Privilegien, Bildung, Sicherheit, menschenwürdiger Grundversorgung und Wohlstand ganz klar leider immer noch im Nachteil ist - 25 Jahre nach Ende der Apartheit.

Gugulethu bedeutet in IsiXhosa soviel wie „Unser Stolz“, Nyanga bedeutet „Mond“.

Sie sind zwei  von vielen anderen Townships, die wegen ihrer süd-östlichen, in einer Talsohle liegenden Lage, Cape Flats genannt werden und den größten Teil der Bevölkerung Kapstadts ausmachen.

Schon hier wird deutlich, Ambivalenz ist, was Südafrika und Kapstadt prägt - von seinen unterschiedlichen Landschaften und Menschen, über seine kulturelle Vielfalt bis hin zu seinem politisch bedeutsamen Erbe und den daraus resultierenden Herausforderungen, mit denen diese recht junge Demokratie immer noch zu kämpfen hat. Dies macht Südafrika zu einem der schönsten, aber auch zwiespältigsten Ländern dieser wundervollen Erde.

Erhabene Natur​​​​

Der Glanz Kapstadts lässt sich nicht in wenige Worte zusammenfassen, aber ein guter Start, um einen Eindruck von diesem beeindruckenden Fleckchen Erde zu bekommen, ist ein Blick vom Tafelberg aus auf die gesamte Halbinsel des Western Capes. Eine lokale Redewendung besagt nämlich, wer nicht auf dem Tafelberg war, der kehrt auch nie wieder nach Kapstadt zurück - und zurück kommen möchte fast jeder, der einmal hier war.

Wer es bequem mag oder mit Kindern reist, der sollte unbedingt eine Fahrt mit der Seilbahn auf das Plateau des Tafelberges machen. Eine anstrengendere aber dafür szenisch unvergesslichere Variante ist es, auf einer der vielen Routen den Tafelberg alleine oder mit Tourguide zu bewandern oder zu erklettern. Hierfür bieten sich  unterschiedlichste Strecken und Schwierigkeitsgrade an und man erlebt intensiv die berühmte Flora des südwestlichen Südafrikas mit seinen einzigartigen Fynboslandschaften.

Kapstadt-Blüte

Wer Glück hat findet hierbei eine der berühmten Königs-Proteas, wohl die bekannteste und beliebteste Blüte, deren Symbolik überall im Western Cape zu finden ist oder er begegnet den wirklich schön zu beobachtenden Dassies, den Klippschliefern, die an ein etwas zu groß geratenes Meerschweinchen erinnern. Aber auch Schildkröten, Paviane und die gelegentlichen Puffottern oder Kap-Kobras lassen sich aus sicherer Entfernung gut beobachten

Kapstadt-BotanischerGarten-Kirstenbosch

​Für alle, die gerne die Flora des Kaps, ohne die Anstrengungen eines Bergaufstieges, erleben möchten, für die bietet sich ein Besuch mit Picknick (Körbe kann man Vorort erwerben) im berühmten Botanischen Garten Kirstenbosch an. Er liegt, in pittoresker Lage eingebettet, an den östlichen Ausläufern des Tafelberges und wird zu Recht einer der schönsten botanischen Gärten der Welt genannt und eignet sich hervorragend um die majestätische Schönheit der Natur in Stille auf sich wirken zu lassen.

Wer ihn besuchen möchte sollte aber auch auf jeden Fall  Ausschau nach den berühmten Sommerkonzerten halten, bei denen Künstler wie Freshlyground, Mafikizolo, The Parlotones ,Goldfish oder, wer es klassisch mag, das Cape Town Philharmonie Orchestra, ihrem weit über die Grenzen Südafrikas verbreitetem guten Ruf gerecht werden.

CapeTown Philharmonie Orchestra

Schmankerl für die Sinne​​​​

Wer hier Blut geleckt hat, dem bietet Kapstadt  mit seinem ausserordentlichen musikalischen Leckerbissen einen noch weitaus größeren Mikrokosmos zu entdecken. Denn die kulturelle Szene ist lebhaft und ist eine der authentischsten Wege den Geist dieser Stadt kennen zu lernen. Denn wie Erich Kästner schon sagte: „Toren bereisen in fremden Ländern die Museen, Weise gehen in die Tavernen.“ Und „Tavernen“ hat Kapstadt zu genüge anzubieten. Wer gerne einmal das einen Eindruck über lokale Events bekommen möchte, der schaue sich einfach mal auf  https://www.whatsonincapetown.com/ um.

Von der berühmten Long Street einmal abgesehen, stechen vor allem Stadtteile wie Woodstock und Observatory durch eine große Auswahl an Events hervor. Einige mittlerweile weltberühmte Bands, wie zum Beispiel Freshlyground, haben ihr Wurzeln in diesen Stadtteilen und selbst die Rolling Stones haben schon ein spontanes Konzert im berühmten Armchairs Theater gegeben, das mittlerweile zu einem Backpackers umgebaut wurde.

Aber auch kulinarisch stehen diese Stadtteile der Innenstadt in nichts nach und der jeden Samstag in Woodstock in der Old Biskuit Mill stattfindende Neighbourgoods Market sucht an Flair und kulinarischen Besonderheiten seinesgleichen. Nirgendwo sonst findet sich auf wenigen hundert Quadratmetern mehr Auswahl an lokalen Spezialitäten, Kunsthandwerk und Mode - der ideale Ort um einzigartige Mitbringsel zu finden. Wer also einen Eindruck vom kreativen Kernpunkt Woodstock bekommen möchte, für den sollte der Neighbourgoods Market ein toller Ausgangspunkt sein um eventuell die umliegende Nachbarschaft mit seinen Studios, Galerien und Restaurants zu erkunden. Und besonders Fans von Street Art kommen voll und ganz auf ihre Kosten, denn zwischen dem kontrastreichen Bild aus aufwendig sanierten, teils Art Dekor Gebäuden, industriellen Komplexen und heruntergekommen Ecken, finden sich oft versteckt wahre Highlights lokaler und internationaler Künstler. Die Werke einer  meiner Lieblingskünstlerinnen, Faith 47, deren Kunst für mich Kapstadt ausmachen, wie Butter ein gutes Croissant, sind in der direkten Umgebung der Old Biskuit Mill zu finden.

​Two Oceans

Am südlichsten Zipfel des afrikanischen Kontinents, zwischen zwei Ozeanen, platziert, wirken oft harsche Wetterkonditionen auf Kapstadt ein. Während im südafrikanischen Sommer die Temperaturen auch mal die 40°C Marke knackt kann gleichzeitig ein sehr harscher Wind, der Cape Doctor, die Stadt plagen. Im Winter können heftige Stürme und Regengüsse die vielen Outdoor Aktivitäten, die die Stadt bietet, unmöglich machen. An solchen Tagen ziehen sich die meisten Kapstädter eher in die geschützteren Bereiche der Stadt zurück. Für Familien bietet sich hier wunderbar ein Ausflug in das berühmte Two Oceans Aquarium Two Oceans Aquarium an der weltberühmten Waterfront an. Hier kann man die Vielfalt der Gewässer vor den Toren Kapstadts bestaunen. Und spezielle interaktive Kinderattraktion, wie ein Fühlbecken, machen den Besuch für Kinder unvergesslich. Abschließend lädt die V&A Waterfront noch zu einem Shoppingbummel in der Mail oder dem angrenzenden Handwerksmarkt ein, um einige einzigartige Souvenirs mit heim bringen zu können.

Im nächsten Artikel stelle ich Dir die südliche Halbinsel mit dem Nationalpark „Kap der guten Hoffnungen“, die Städte Simons Town, Kalk Bay, Muizenberg, Noordhoek, Hout Bay und den berühmten Chapman’s Peak vor.

Dieser Artikel wurde ​von meinr Freundin Susanne Krone von www.Mamanada.de verfasst, die viele Jahre in Kapstadt lebte. Vielen Dank.

Nadine

Nadine ist freie Reiseberaterin und Spezialistin für vegane und familienfreundliche Reiseziele. Sie ist Mutter von zwei Kindern und lebt vegan.

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